Die Kniescheibe (Patella) ist ein sehr wichtiger Teil des Kniegelenks, des Gelenks zwischen Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia). Sie liegt an seiner Vorderseite; ihre Rückfläche ist mit glattem Gelenkknorpel überzogen und gleitet in einer Rinne des Oberschenkelknochens. Oben setzt der Quadrizepsmuskel, unten die Patellasehne an. Springt die Kniescheibe aus dieser Rinne heraus, spricht man von einer Kniescheibenluxation.
Warum springt die Kniescheibe heraus?
Kniescheibenluxationen sind recht selten (etwa 6 pro 100.000 Menschen). Sie können angeboren oder erworben sein. Die erste erworbene Luxation heißt akute, wiederholte heißen rezidivierende Patellaluxation.
Betroffene haben häufig anlagebedingte Knochen- und Weichteilbesonderheiten: eine flache Gleitrinne, ein lockeres Halteband, das die Kniescheibe vor dem Herausgleiten nach außen schützt, oder eine Fehlstellung des ganzen Beins. Bei ihnen kommt es zur Luxation, wenn sich der Körper bei feststehendem Fuß nach innen dreht. Für die erste Luxation ist eine kräftige Belastung nötig; bei unbehandelten Luxationen heilen die Weichteile jedoch gedehnt aus, sodass spätere Luxationen schon bei einfachen Bewegungen auftreten. Die akute Luxation ist unter 17 Jahren und bei Mädchen häufig. Bei 15 % der Betroffenen gab es Luxationen auch in der Familie; nach einer Luxation an einem Knie ist das Risiko am anderen Knie hoch.
Was sind die Anzeichen einer akuten Patellaluxation?
Nach einer plötzlichen Drehbewegung spüren Betroffene starke Schmerzen und das Herausgleiten der Kniescheibe nach außen. Bald entstehen durch Einblutung Schwellung und Bewegungseinschränkung. Meist springt die Kniescheibe beim Strecken des Knies zurück; selten berichten Patienten, sie selbst zurückgedrückt zu haben.
Wie wird die Patellaluxation diagnostiziert? Kommt sie wieder? Wie wird sie behandelt?
Die akute Luxation lässt sich durch Untersuchung erkennen. Ist die Kniescheibe noch ausgerenkt, wird sie eingerenkt; neigt sie zum Herausspringen, wird dies mit speziellen Tests geprüft. Röntgen, CT und MRT zeigen Form der Kniescheibe, Tiefe der Gleitrinne, deren Passung, Zustand der Haltebänder und Arthrose.
Bleibt die Kniescheibe nach der ersten Luxation an ihrem Platz und gibt es kein Knochenfragment im Gelenk, wird das Knie geschont, bis die Gewebe heilen, gefolgt von muskelkräftigender Reha. Nach einer einzigen, konservativ behandelten Luxation liegt das Rückfallrisiko bei 17–71 %, höher bei anlagebedingten Störungen; nach der zweiten Luxation bei nahezu 100 %. Luxationen mit Gelenkfraktur, rezidivierende und angeborene Luxationen werden direkt operiert. Wiederholte Luxationen schädigen den Gelenkknorpel irreversibel und können schon in jungen Jahren zu Arthrose führen. Ziel der Operation ist es, weitere Luxationen und fortschreitende Knorpelschäden zu verhindern.
Welche Operationsverfahren gibt es?
Alle luxationsbegünstigenden Faktoren müssen untersucht und die Operation danach geplant werden. Sie beginnt mit einer Arthroskopie. Bei akuten Luxationen werden kleine freie Knorpel-Knochen-Stücke entfernt, große wieder angeheftet. Die Haltestrukturen der Kniescheibe werden direkt genäht oder, falls nicht möglich, mit Sehnen von der Kniekehle ersetzt (MPFL-Rekonstruktion). Bei rezidivierenden Luxationen werden Weichteil- oder Knocheneingriffe zur Änderung der Zugrichtung der Muskeln und bei Bedarf eine Vertiefung der Rinne durchgeführt. Bei angeborener Luxation ist eine Verlagerung der gesamten vorderen Oberschenkelmuskulatur und ggf. Sehnenverlängerung nötig. Oft werden mehrere Verfahren kombiniert.
Mit modernen, individuell angepassten Techniken ist die Erfolgsquote hoch; das Risiko von Bewegungseinschränkung oder erneuter Luxation liegt unter 5 %. Eine richtige Behandlung stoppt den Knorpelschaden, und die meisten Patienten kehren problemlos zu Alltag und Sport zurück.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung und Diagnose.