Als „diabetischen Fuß“ bezeichnet man Fußprobleme, die bei Menschen mit Diabetes entstehen. Diabetes ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutzucker durch Insulinmangel oder eine gestörte Insulinwirkung erhöht ist. Sie verursacht vor allem Probleme an Augen, Nieren, Herz-Kreislauf-System und Füßen. Grundlage des diabetischen Fußes ist eine Schädigung der peripheren Nerven (periphere Neuropathie), die bei schlecht eingestelltem Diabetes stärker und früher auftritt. Wegen der geschädigten Gefühlsnerven spüren Diabetiker Verletzungen an den Füßen nicht; durch die Infektanfälligkeit entzünden sich kleine Wunden leicht. Zudem beeinträchtigt Diabetes die Durchblutung kleiner und mittlerer Gefäße, was die Wundheilung erschwert.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?
Jeder siebte Diabetiker bekommt im Laufe seines Lebens eine Fußwunde, die trotz guter Behandlung leider zur Amputation führen kann. Mit guter Pflege lassen sich diese Folgen weitgehend vermeiden. Ein erhöhtes Risiko haben:
- Menschen mit dauerhaft hohem Blutzucker
- Menschen mit früheren Fußwunden
- Menschen mit Gefühlsverlust an den Füßen
- Menschen mit diabetischem Nierenschaden
- Menschen mit Seheinschränkung oder -verlust
- Menschen mit Gefäßverschlüssen
- Menschen mit eingeschränkter Sprunggelenkbeweglichkeit
- Menschen mit Fußfehlstellungen
- Menschen mit trockener, rissiger Haut an den Füßen
- Menschen mit unzureichender Fußpflege
- Menschen, die auf Fußhygiene nicht achten
- Raucher
- Stark Übergewichtige
- Menschen ab 65 Jahren
- Menschen mit Fuß- und Nagelpilz
- Menschen mit falschem Schuhwerk oder die barfuß gehen
Wie sollte die Fußpflege bei Diabetes aussehen?
Auch wenn Diabetes nicht heilbar ist, lassen sich seine Folgen verhindern oder zumindest verzögern. Der beste Schutz ist daher eine gute Diabeteseinstellung und vorbeugende Fußpflege.
Die Füße sollten täglich gründlich kontrolliert werden: unter und zwischen den Zehen, Sohle und Ferse, nicht nur der gut sichtbare Fußrücken – mit Hilfe einer anderen Person oder eines Spiegels. Achten Sie auf Rötung, Schwellung, Verfärbung, Druckstellen, Abschuppung, Blasen und weißliche Haut zwischen den Zehen. Bei jedem dieser Zeichen sofort zum Arzt gehen.
Außerdem:
- Diabetiker sollten niemals barfuß gehen (auch nicht zu Hause).
- Viele klagen über ständig kalte Füße – das liegt nicht an der Kälte, sondern an der Gefühlsstörung. Füße an Wärmflaschen, heißen Steinen, Heizkörpern oder Heizgeräten zu wärmen ist sehr gefährlich, da tiefe Verbrennungen entstehen können. Vor dem Baden sollte die Wassertemperatur mit der Hand oder besser von einem Angehörigen geprüft werden.
- An Druckstellen bilden sich Hornhaut und Hühneraugen. Am besten beugt regelmäßiges Eincremen vor. Hornhaut nicht mit Nagelschere oder Rasierklinge schneiden, nicht mit Bimsstein abraspeln und keine Hühneraugenmittel verwenden.
- Füße jeden Abend mit lauwarmem Seifenwasser waschen und mit einem weichen Tuch abtrocknen. Lange Fußbäder sind sehr gefährlich. Ein weißes Handtuch lässt Blut oder Eiter leichter erkennen. Zehenzwischenräume müssen trocken sein – jeden einzeln sanft abtupfen.
- Danach eine weichmachende, feuchtigkeitsspendende Fußcreme verwenden, um Trockenheit, Risse und Hornhaut zu vermeiden.
- Nägel sorgfältig – am besten von einem Angehörigen – gerade und nicht zu kurz schneiden, Ecken nicht abschneiden. Die Nagelschere gehört nur dem Patienten. Diabetiker sollten niemals eine Pediküre machen lassen.
- Die Schuhwahl ist sehr wichtig: Der Schuh darf nicht drücken oder scheuern. Ideal sind Schuhe aus weichem, hochwertigem Leder ohne störende Innennähte, mit Gummisohle, runder Spitze und guter Belüftung, am besten zum Schnüren. Nicht immer dasselbe Paar tragen – idealerweise zwei Paare im Wechsel.
- Immer Socken tragen; Schuhe ohne Socken sind sehr gefährlich. Nylonsocken fördern Schwitzen und Pilz; besser sind Wolle oder saugfähige reine Baumwolle. Socken täglich wechseln. Der Bund darf nicht einschnüren – hinterlässt er einen tiefen Abdruck, ist die Socke ungeeignet.
Diagnose
Leider wird der diabetische Fuß oft erst diagnostiziert, wenn bereits eine Wunde besteht. Eine frühe Diagnose ist für Vorbeugung und Behandlung sehr wichtig. Neben den regelmäßigen Kontrollen von Augen, Herz und Nieren dürfen daher Gefühls- und Gefäßuntersuchungen der Füße nicht vergessen werden.

Behandlung
Innere Medizin bzw. Endokrinologie, Dermatologie, Gefäßchirurgie, plastische Chirurgie, Orthopädie und Physiotherapie sind beteiligt und sollten gemeinsam handeln.
Bei einer Infektion muss zunächst das abgestorbene Gewebe chirurgisch entfernt werden – chirurgisches Débridement –, danach folgt eine geeignete Antibiotikatherapie. Ernährung und Insulin werden so eingestellt, dass der Blutzucker normal ist. Bei frühen Hautläsionen und kleinen Wunden verzögert Belastung die Heilung, daher werden Schienen, Gips oder Orthesen zur Entlastung eingesetzt. Zelltherapien zeigen großes Potenzial bei chronischen und akuten Wunden; weltweit laufen zudem Studien zu Therapien mit körpereigenen Stammzellen.
Die Vakuumtherapie (VAC) verschließt die Wunde steril und wendet kontinuierlich oder intermittierend Unterdruck an. Sie reinigt die Wunde wirksam und verbessert die Durchblutung – daher spielt sie bei tiefen, schlecht heilenden Wunden wie dem diabetischen Fuß eine wichtige Rolle.
Bei mehr als der Hälfte der Patienten bestehen zudem Verschlüsse der Beinarterien, die die Durchblutung der Wunde verringern und die Heilung verhindern. Ein Teil davon kann von der Gefäßchirurgie wieder eröffnet werden.
Die hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) ist eine unterstützende Behandlung. Durch Atmung von Sauerstoff unter hohem Druck gelangt mehr Sauerstoff ins minderdurchblutete Gewebe; die Abwehrzellen arbeiten wieder besser, die wundheilenden Zellen werden aktiver und die Heilung beschleunigt sich.
Wann wird amputiert?
Fußwunden sind der häufigste Grund für Krankenhausaufenthalte bei Diabetikern; ihre Behandlung dauert Wochen bis Monate. Eine Amputation ist die letzte Maßnahme, wenn alle Behandlungen scheitern und es fortschreitend zu Gangrän oder lebensbedrohlicher Infektion kommt.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung und Diagnose.