Der Tractus iliotibialis (ITB) ist ein dicker, kräftiger Bindegewebsstrang, der von der Außenseite des Beckens zur Außenseite des Knies zieht. Er hilft, die Hüfte nach hinten und außen zu bewegen und zu drehen. Beim Gehen oder Laufen stabilisiert er das Knie, indem er übermäßige Bewegungen verhindert.
Das ITB-Syndrom, eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen an der Knieaußenseite, entsteht, wenn der Strang beim Beugen und Strecken über einen Knochenvorsprung des Knies reibt. Falsches Training oder Langstreckenlauf mit ständigem Beugen und Strecken überlasten den Strang. Er wird gereizt, gespannt, und es entstehen Entzündung und Schwellung. Das führt zu einem Reibegefühl an der Knieaußenseite und zu Schmerzen bei Bewegung, die bis zur Hüfte ausstrahlen können.
Wer ist betroffen?
Läufer, Radfahrer, Tennisspieler – kurz alle, die Sportarten mit ständigem Beugen und Strecken des Knies betreiben. Im Alltag können langes Sitzen mit gebeugten Knien, häufiges Treppensteigen und hohe Absätze ein ITB-Syndrom auslösen.
Auslösende Faktoren:
- verkürzter Tractus iliotibialis
- ausgeprägte Knochenvorsprünge
- Beinlängendifferenz
- fehlende Lauferfahrung
- Vernachlässigen von Auf- und Abwärmen
- plötzliche, übermäßige Steigerung des Trainings
- zu wenig Erholung zwischen den Einheiten
- falsche Schuhwahl
- Training auf ungeeignetem Untergrund
- falsch eingestelltes Fahrrad
- Belastung ohne ausreichende Fitness
- langes Laufen immer in dieselbe Richtung
- Bergablaufen
Welche Beschwerden treten auf?
Hauptbeschwerde sind Schmerzen und Brennen an der Knieaußenseite, vor allem bei leicht gebeugtem Knie (30–45 Grad). Manchmal schmerzt auch der Knochenvorsprung an der Hüftaußenseite (großer Rollhügel). Im Frühstadium treten die Schmerzen nur bei Belastung auf und verschwinden in Ruhe, später auch in Ruhe. In schweren Fällen kann eine Schwellung auftreten, und bei jeder Kniebewegung sind beim Gehen und Laufen Knacken, Schnappen oder Reibegeräusche zu hören.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Eine gründliche Untersuchung reicht meist aus. Reizung und Schwellung des ITB lassen sich in der MRT zeigen; Röntgen schließt Knochenprobleme aus. Zerrungen oder Verletzungen der hinteren Oberschenkelmuskulatur, Schäden am Außenband oder Außenmeniskus, das patellofemorale Schmerzsyndrom und die Bursitis trochanterica können verwechselt werden und sind differenzialdiagnostisch zu bedenken.
Wie wird das ITB-Syndrom behandelt?
Zur Schmerzkontrolle werden zunächst Aktivität und Sportintensität reduziert. Neben Schonung helfen Kühlung und entzündungshemmende Schmerzmittel. Mit nachlassenden Schmerzen beginnt die Physiotherapie, deren Basis Dehnübungen sind; auch Massagen sind möglich. Später folgen Kräftigungsübungen.
Bestehen auslösende Faktoren (verkürzter ITB, Plattfüße, schlechte Lauftechnik, Beinverkürzung), müssen sie erkannt und korrigiert werden.
Die meisten Betroffenen können nach etwa 6 Wochen wieder trainieren. Anfangs sollten Hügeltraining, langsames Laufen und Bergablaufen vermieden werden. Wichtig ist, die Behandlung individuell zu planen.
Helfen Übungen, Physiotherapie und Injektionen nicht, wird eine operative Lösung des Tractus durchgeführt.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Untersuchung und Diagnose.